Kreislandfrauentag 2018: Motivationsschub für die Frauen im Zollernalbkreis

Erfolgsmensch Matthias Berg sorgt beim Kreislandfrauentag in der Ebinger Festhalle für unterhaltsame Aha-Momente

                                                                                                    von Anne Retter
Manchmal ist die Frage im Leben nicht „Warum passiert das ausgerechnet mir?“, sondern „Wozu passiert mir das?“, stellte Matthias Berg klar. Sein Vortrag über die Kunst, sich selbst zu führen, bildete das inspirierende Herzstück des diesjährigen KreislandFrauentages. Mit zahlreichen Grußworten, der Vorstellung der Jungen Landfrauen, offiziellen Abschieden und selbstgebackenem Kuchen verbrachten zahlreiche Frauen den Nachmittag. Der Erlös geht vollumfänglich an die Kindernotfallsprechstunde im Zollernalbkreis.

Der KreislandFrauenverband lud interessierte Frauen am vergangenen Mittwoch in die Festhalle in Ebingen ein. Präsidentin Juliane Vees überbrachte die Grüße des Landesverbandes Württemberg-Hohenzollern. Begeisterung, Bildung und Begegnung seien das, was die Landfrauen über die traditionell gewachsene Vertretung des Berufsstands der Bäuerin hinaus antreibe, sagte sie. Sie ging unter anderem auf die Ergebnisse einer Studie ein, die Mobbing gegenüber Bauernkindern untersucht hat. Das ernüchternde Ergebnis: Mehr als 30 Prozent der befragten Kinder gaben an, nicht nur von Mitschülern gemobbt zu werden, sondern auch Schmähungen von Lehr- und Erziehungskräften erfahren zu haben.

 

Maßnahmen gegen Mobbing von Bauernkindern

Dieses erschreckende Bild veranlasste Dr. Susanne Eisenmann, Ministerin für Kultus, Jugend und Sport in Baden-Württemberg, das Gespräch mit den Landfrauen zu suchen. Sie will Lehrkräfte für das Thema sensibilisieren und auch die Schulbücher sollen einer Revision unterzogen werden – Landwirtschaft wird dort häufig nur sehr einseitig dargestellt. Die Evaluation der Maßnahmen steht im kommenden Jahr an. Vees gab außerdem bekannt, dass der Landesverband für betroffene Familien eine Handreichung und Themenveranstaltungen initiiert hat. Neben diesem wichtigen Thema steht weiterhin die Erhaltung und Verbesserung der Lebensqualität in ländlichen Gebieten auf dem Plan der Landfrauen: ÖPNV, schnelles Internet, autonomes Fahren und andere Aspekte des digitalen Wandels sind ihnen wichtig. Abschließend wies Vees darauf hin, dass mehr Frauen in politisch einflussreichen Positionen gebraucht werden und rief zur aktiven Beteiligung auf.

 

Engagement im ländlichen Raum ist unabdingbar

Alexander Schäfer, Kreisobmann des Bauernverbandes, wies auf einen wichtigen Umstand hin: Rund 70 Prozent in Europa sind ländlicher Raum. Es ist also keinesfalls marginal, was auf dem Land geschieht. Er ging außerdem kurz auf die Problematiken im öffentlichen Diskurs ein. „Vieles, was die Gemüter erregt, basiert leider nicht im mindesten auf Fakten“, fasste er zusammen.
Landrat Günther Martin Pauli lobte Kreativität, Wissbegierde und Offenheit als beständige Qualitäten der Landfrauen. Er begrüßte ausdrücklich die Unterstützung der Kindernotfallsprechstunde als Projekt mit Vorbildcharakter. Außerdem warb er dafür, dass alle Bürgerinnen und Bürger sich demokratisch engagieren sollten. Es sei zu kurz gegriffen, Forderungen an „die Politik“ zu stellen. Vees‘ Wunsch nach mehr Frauen in politischer Verantwortung teile er.
Das letzte Grußwort oblag Oberbürgermeister Klaus Konzelmann. Er berichtete, er habe mit Überraschung durch eine Internetrecherche entdeckt, wie engagiert die Landfrauen im Kreis seien. Außerdem freue er sich über die Entscheidung, den KreislandFrauentag diesmal in Albstadt auszurichten, sagte Konzelmann. Ausführlich legte er die Vorzüge seiner Stadt dar.
 

Die Kindernotfallsprechstunde bleibt erhalten


Bevor Matthias Berg mit seinem Vortrag begann, informierte Kinderarzt Dr. Markus Czempiel über die Entstehung der Kindernotfallsprechstunde. Sie sei durch vorbildliches, bürgerliches Engagement möglich geworden, betonte der Arzt. Diesem Umstand, der Unterstützung des Kreises, des Zollernalbklinikums und einiger Ärzte ist es zu verdanken, dass die KNS eingerichtet werden konnte. Seit April 2017 werden Kinder an Sonn- und Feiertagen nun im Emma-Beck-Haus in Ebingen behandelt. „Sozialministerium und die Kassenärztliche Vereinigung haben erkannt, dass das Modell sich bewährt“, fasste er den aktuellen Stand zusammen. Czempiel ist daher zuversichtlich, dass es Eltern weiterhin erspart bleiben wird, mit ihren kranken Sprösslingen nach Tübingen oder Reutlingen zu fahren; sofern keine Klinikbehandlung notwendig wird.

Der Schlüssel zum Erfolg ist Handeln

Im Anschluss hielt der vielfache Paralympicsgewinner, Hornist und Jurist Matthias Berg einen Vortrag über die Kunst, sich selbst zu führen. Er vermittelte persönliche Einsichten aus seiner individuellen Lebensgeschichte und den Erfahrungen als Führungskraft. Sympathisch, kurzweilig und motivierend nannte er den LandFrauen praktisch anwendbare Tipps und teilte seine Einsichten. Wer erfolgreich sein will, muss zunächst sein Ziel kennen, so Berg. Er braucht außerdem ein starkes „Warum“ als Antrieb und schließlich Fokus und Struktur. „Tun Sie sofort, was nötig ist. Oder terminieren sie es fix und erledigen es zum geplanten Zeitpunkt“, riet er. Fünf Entscheidungen seien notwendig, um erfolgreich zu werden, meint Berg: Die Entscheidung, es anzupacken. Verantwortungsübernahme. Konzentration auf die Fähigkeiten anstelle der Defizite. Disziplin! Und schließlich: anderen so begegnen, wie man selbst behandelt werden möchte. Als Grundhaltung Berg eine Mischung aus Zuversicht, Dankbarkeit und Freundlichkeit – auch sich selbst gegenüber. „It schwätza, macha!“, das sei die Zauberformel. „Erfolgreiche Menschen schaffen es, die zeitliche Kluft zwischen der Entscheidung und der aktiven Handlung stark zu verringern“.
 

Die Landfrauen sind im Wandel – im Kreis gibt es nun mehr als 500 Mitglieder

Nach einer Stärkung mit Kaffee und Kuchen stellten sich die in diesem Jahr neu gegründeten Jungen Landfrauen vor. Die 15 Frauen zwischen 20 und 40 freuen sich auf weiteren Zuwachs. „Wir verstehen uns keineswegs als Konkurrenz für die reiferen Landfrauen; wir möchten aber ergänzend eine Gruppe für die junge Generation bilden“, unterstrich Tabitha Rapp.



Dann war es an Annette Riehle, die drei neuesten Mitfrauen zu begrüßen: „Wir haben nun die 500er-Marke im Kreis geknackt!" freute sie sich. Abschließend wurden Annette Riehle und Inge Lorch verabschiedet. Die beiden engagierten Damen stellen sich nach 18 Jahren unermüdlichen Engagements im November nicht erneut als Kandidatinnen für den Kreisvorstand zur Wahl. „Wir sind jetzt seit 2000 dabei. Es ist einfach Zeit, aufzuhören“, erklärte Lorch. Riehle ist Großmutter geworden und wünscht sich mehr Zeit für die kleine Enkeltochter. Beide sind sich einig: „Wir haben in dieser ganzen Zeit viel gelernt und auch viel bewegt“. Den LandFrauen bleiben sie aber auch zukünftig als „Genusslandfrauen“ treu. Damit sind jene Frauen gemeint, die gerne weiter die Gemeinschaft pflegen, sich ihren Ehrenamtsruhestand aber bereits redlich verdient haben.


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