Ein starker Frauenverband sucht neue Mitstreiterinnen
Der Landfrauenverband im Kreis möchte die jüngere Generation zwischen 20 und 40 ins Boot holen

                                                                        von Anne Retter, Schwabo vom 27.11.17
Winterlingen-Harthausen. In der Küche von Familie Dietz sitzen drei waschechte Landfrauen zusammen. Keine von ihnen trägt Gummistiefel, Schürze oder Kopftuch. „Dieses ärgerliche Klischee hält sich hartnäckig“, sagt Annette Riehle, stellvertretende Vorsitzende des Kreislandfrauenverbandes Zollernalb. Die Realität sieht anders aus: „Landfrauen sind Frauen, die auf dem Land leben oder hier ihre Wurzeln haben“, stellen Riehle und ihre Mitstreiterinnen klar. Die Themen gehen weit über Küche und Landwirtschaft hinaus.

Als freigeistige Mitglieder einer starken Gemeinschaft sehen sich die Landfrauen. „Man muss sich einmal klar machen, dass wir einer der größten Frauenverbände in Deutschland sind“, erklärt Annette Riehle. Caro Dietz war als junge Landfrau erst kürzlich in Berlin. „Wie groß der Einfluss ist, den wir als Deutscher Landfrauenverband mit 550.000 Mitgliedern haben, ist mir erst dort so richtig bewusst geworden“, erzählt sie. Auch politische Macht. Eine Möglichkeit, sich für die Dinge einzusetzen, die der Landbevölkerung und insbesondere den Frauen wichtig sind – angefangen von der Verfügbarkeit von Hebammen über die Anbindung an schnelles Internet bis hin zur Integration von Geflüchteten.

„Wir befassen uns mit den wichtigen Fragen unserer Zeit“

unterstreicht Dietz. Dem Vorurteil von der tumben Bäuerin wird die studierte Landfrau so gar nicht gerecht. Auch äußerlich nicht. Sie ist Mutter und Bäuerin in ihrer Ziegenkäserei – aber eben nicht nur. „Ich glaube, wir leben sehr selbstbestimmt und denken über manche Dinge vielleicht sogar intensiver nach, als es der Durchschnitt tut“, überlegt die junge Unternehmerin. Die Entscheidung, mit ihrem Mann den Betrieb ihrer Eltern zu übernehmen, ihn umzugestalten und wieder in die Heimat zu ziehen, hat sie bewusst getroffen. „Ich bin stolz darauf, Landfrau zu sein“, sagt sie selbstbewusst. Den Landfrauen ist Tradition wichtig, das Bewahren der Natur. „Wir können auch Kuchen backen und schöne Dekorationen basteln“, ergänzt Annette Riehle, „aber es hört da nicht auf.“ Realistisch und bodenständig stellen sich die Landfrauen den aktuellen Herausforderungen unserer Gesellschaft.

Ein mächtiges Frauenbündnis, das Tradition und Zukunftsvision verbindet

Der Landfrauenverband ist vor rund 100 Jahren aus der Bildungsarbeit des Bauernverbandes entstanden. „Damals stand im Zentrum, den Frauen zu ermöglichen, ihre Familien besser zu versorgen“, weiß Riehle. Die Bio-Landwirtin aus Burladingen ist seit 30 Jahren Mitglied im Verband, seit 18 Jahren aktiv engagiert. Sie kennt die Angebote auf Orts- und Kreisebene, die von Ernährung und Bewegung über haus- und landwirtschaftliche Themen bis zur unternehmerischen Entwicklung reichen. „Und wir vertreten die Themen der auf dem Land lebenden Frauen auch auf höherer Ebene“, ergänzt  Elisabeth Bosch, ebenfalls Mitglied des Kreisvorstands. „Alles, was unser Leben hier beeinflusst, ist wichtig. Das können der ÖPNV sein, die Kinderbetreuung und Schulfragen. Wir haben uns aber auch für Brustkrebsscreenings und die Anerkennung des strittigen Rentenpunktes für Mütter eingesetzt“. Für das kommende Jahr plant der Landfrauenverband sehr zukunftsorientiert: Neben Homöopathie im Milchvieh- und Pferdebetrieb stehen Social-Media-Qualifizierung und Existenzgründerinnen-Coachings auf dem Plan. Am 8./9. März 2018 findet ein Führungskräfteseminar in Bad Waldsee statt. Schwerpunkt: Digitalisierung der Landwirtschaft, SmartFarming, Gesellschaftlicher Wandel.
Männer dürfen an den meisten Veranstaltungen der Landfrauen grundsätzlich auch teilnehmen – wenn Plätze übrig sind.

 


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